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	<title>Der Krö &#187; Pariser Abkommen</title>
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	<description>Gedanken zur Schlechtigkeit von Mensch und Welt</description>
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		<title>„Scheiss auf die Welt“ sagte der Mann im Anzug und riss die Menschheit mit sich in den Abgrund</title>
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		<pubDate>Fri, 02 Jun 2017 08:30:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[derkroe]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Klimawandel]]></category>
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		<description><![CDATA[Woran kann man dieser Tag noch glauben? Wofür kämpfen? Viele fragen sich das, getrieben von Unmut, Verzweiflung und einem unbestimmten Durst nach den Werten, nach denen sich ein Leben gestalten lässt. Die einen kämpfen gegen Unschuldige, weil sie Gott nicht so geil finden wie die Gotteskrieger selbst, die anderen gegen Gluten, dass nach tausenden Jahren Menschheitsgeschichte spontan entschieden hat, Essern in aller Welt zu schaden. Viele von uns kämpfen schlicht gegen die Angst an. Angst vor der Zukunft, Angst vor Attentaten, vor Krebs, vor Ausländern oder der Verarmung. In den...<a class="read-more" href="http://blog.derkroe.de/?p=93">read more</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Woran kann man dieser Tag noch glauben? Wofür kämpfen? Viele fragen sich das, getrieben von Unmut, Verzweiflung und einem unbestimmten Durst nach den Werten, nach denen sich ein Leben gestalten lässt. Die einen kämpfen gegen Unschuldige, weil sie Gott nicht so geil finden wie die Gotteskrieger selbst, die anderen gegen Gluten, dass nach tausenden Jahren Menschheitsgeschichte spontan entschieden hat, Essern in aller Welt zu schaden.</p>
<p>Viele von uns kämpfen schlicht gegen die Angst an. Angst vor der Zukunft, Angst vor Attentaten, vor Krebs, vor Ausländern oder der Verarmung. In den USA kämpft ein Mann gegen die Ängste seiner Wähler und für seine nach den letzten, ausgesetzten Dekreten angeschlagene Glaubwürdigkeit. Donald Trump und die zumindest nach dem amerikanischen Wahlmodus entschiedene Mehrheit der USA zweifeln an der Stärke des Klimawandels. Das hat Trump im Wahlkampf fast so oft klar gemacht wie seine Absicht, eine Mauer zu Mexiko zu bauen oder Muslime in den USA in ihrer Freiheit einzuschränken. Genug Menschen haben ihn gewählt, genug Menschen waren der gleichen Meinung oder nahmen zumindest in Kauf, dass der neue Präsident sich nach der Wahl diesen Themen widmet. Gestern sind die USA aus dem Pariser Abkommen zum Klimaschutz ausgestiegen. Trump will neu verhandeln. Er zieht damit Konsequenzen aus der Schlappe beim Versuch, Menschen aus muslimischen Ländern in die USA zu lassen und aus der Erkenntnis, dass sich seine geliebte Mauer nicht mal eben nebenbei errichten lässt. Sehen wir uns die Argumentation mal an.</p>
<p><strong>„The world went crazy when the Paris agreement was signed. […] This was because it placed America at a serious economic disadvantage.”</strong></p>
<p>Diese Aussage platzt förmlich vor Narzissmus, sollte Trump tatsächlich glauben, dass ein internationales Abkommen, das globale Erwärmung reduzieren soll, nur wegen wirtschaftlicher Benachteiligung eines Unterzeichners gefeiert würde. Und davon abgesehen ist die Behauptung schlicht falsch. Die Entwicklung des Abkommens hat über 20 Jahre gedauert – nicht weil Verantwortung hin und hergeschoben wurde, wie es sonst bei diesen „Gipfeln“ gern passiert, sondern weil Bedingungen entwickelt wurden, die für alle Teilnehmer fair, gleich und vor allem flexibel waren. Wie die nationalen Klimaziele erreicht werden, bleibt den Staaten weitgehend selbst überlassen, das Besondere am Vertrag war und ist, dass sich die Menschheit ernsthaft gemeinsam gegen ihre eigene Vernichtung gestellt hat. Trumps Behauptung, sein Gefühl und das der ihn wählenden Amerikaner zeigt aber sehr deutlich, was die Menschen in wahrscheinlich weniger als 100 Jahren von der Erde verschwinden lassen wird: Geld. Es ist wichtiger, wirtschaftliche Interessen zu befolgen, als das Erdklima zu schützen. Damit ist Trump nicht allein. Unser FDP-Abkömmling bei der Landtagswahl in NRW gab zum besten, der Klimawandel werde seiner Meinung nach nicht in NRW entschieden, deshalb spiele das Thema für ihn keine Rolle.</p>
<p><strong>“China can do whatever they want. They can build coal plants, and we can’t”</strong></p>
<p>Fakt ist, China hat besondere Rechte aus dem Pariser Abkommen ziehen können. Aber es hat sich an das gleiche Klimaziel zu halten. China darf tatsächlich weiterhin Kohlekraftwerke errichten und industriell weiterhin einige höchst fragwürdige Dinge tun. Das hängt damit zusammen, dass das Land nach großen Schwierigkeiten mit dem Kyoto-Protokoll überhaupt erstmal in ein internationals Klimabündnis rein geholt werden musste. Die Sonderrechte beziehen sich darauf, dass China Schritte der Industrialisierung nachholen darf, die andere Länder schon früher hinter sich gebracht haben. Es fiele mir im Leben nicht ein, China zu verteidigen. Ich war ja da und habe noch nie so viele degenerierte Menschen gesehen, soviel Sorglosigkeit mit der Umwelt, soviel Dreck, Smog, regenbogenschillernde Gewässer. Kurz: China ist ein schrecklicher Ort für Menschen, die mit offenen Augen durch die Welt gehen. Aber auch China hat eine junge Generation. Sie hat eine Generation von Menschen, die etwas ändern wollen. Die den Mundschutz ablegen will, die nicht vom Essen krank werden will. China rüstet massiv in erneuerbaren Energien auf. Ja, auch in Atomkraftwerken, aber hey – auch den Schritt ist Europa damals gegangen. Ich gehe fest davon aus, dass der nächste GAU in China passiert. Wenn Tiange nicht schneller ist. Zur Aussage Trumps bleibt festzuhalten, dass niemand im Abkommen tun kann, „was er will“. Alle kämpfen für das gleiche Ziel – jedenfalls war das die vielleicht naive Idee der Unterzeichner.</p>
<p><strong>“I was elected to represent the citizens of Pittsburgh, not Paris.”</strong></p>
<p>Ich frage mich immer wieder, wer Trump eigentlich seine Reden schreibt. Abgesehen mal von dem recht hübschen, alliterativen Vergleich (Pittsburgh/Paris), ist diese Aussage wirklich hanebüchen unsinnig. Es wirkt, als sähe der Präsident die Dinge so, dass das Pariser Abkommen von den USA und den Bürgern von Paris abgeschlossen worden wäre. Und das kann er ja nicht meinen. Oder? Parole schlägt Argument, das ist bei uns hier ja auch nicht anders. Ich freue mich schon wieder auf viele aussagekräftige Plakate im kommenden Wahlkampf…  Bill Peduto, der Bürgermeister von Pittburgh hat sich derweil übrigens zum Pariser Abkommen bekannt und gesagt, Pittsburgh werde sich an die Klimaziele weiterhin halten.</p>
<p><strong>“Even if the Paris agreement was implemented in full, it is estimated that it would implement two-tenth of a degree of temperature reduction by 2100.”</strong></p>
<p>Kurz zur Erklärung: Das Ziel des Pariser Abkommens ist – einfach gesagt – die mittlere globale Erwärmung bis zum Jahr 2100 unter 2°C im Vergleich zu den Werten vor der industriellen Revolution zu halten. Das heißt, das Weltklima soll sich in einer Zeitspanne von ganz grob etwa 200 Jahren um nicht mehr als 2°C erwärmen. Das war’s schon. Seit der industriellen Revolution, die den ganzen Klimawandel-Spaß überhaupt mal ins Rollen gebracht hat, hat sich das Klima um etwa 1°C erhöht. Das Ziel ist also, dass wir ein bisschen besser sind und bis 2100 unter einem Grad zusätzlicher Erwärmung bleiben. Klingt erstmal schaffbar, oder? Mal abgesehen davon, dass Trump das mit einem Faktor von fünf falsch berechnet zum Besten gibt, wird hier eine dramatische Sache klar: „it is estimated“ gibt die Spur dazu, wie einseitig, wie gefährlich Trump beraten wird. Wissenschaftler aus aller Welt haben die Daten zum Klimawandel bestätigt. Ein Großteil befürchtet, dass er eigentlich nicht mehr aufzuhalten ist. Trumps Quellen sehen die Gefahr nicht – oder zumindest anders. Sie sagen diesem Mann, der über wirklich sehr große Macht verfügt, dass sie etwas anderes SCHÄTZEN als der Rest der Welt. Wenn sich ein amerikanischer Präsident mit Hang zum Aktionismus auf solche Menschen und deren Aussagen verlässt, dann wird das Pariser Abkommen nicht die letzte Leiche sein, die die USA in den kommenden Jahren zurücklassen.</p>
<p><strong>“We don’t want other countries laughing at us.”</strong></p>
<p>Es ist ja trendy, sich über den „orangenen Mann“ mit seiner dummen Frisur lustig zu machen. Hat er wieder was Dummes gemacht, haha, dummer Trump. Und dumme Amerikaner, die den gewählt haben. Der Wunsch der Präsidenten, nicht ausgelacht zu werden, bezieht sich im Kontext natürlich auf seine Theorie, die Welt habe ein Abkommen geschmiedet, um den USA finanziell zu schaden. Die Aussage ist aber sinnbildlich für den verzweifelten Kampf Trumps, ernst genommen zu werden. Je mehr wir alle lachen und #covfefe – Witze reißen, desto mehr wird er in die Ecke gedrängt. Er und seine Anhänger. Wird er dadurch zur Vernunft kommen? Eher nicht. Seine Anhänger? Eher nicht. Die EU hat jetzt die große Aufgabe, Trump wieder ins Boot zu holen, denn das Ziel eines neuen Abkommens muss sein, weiterhin zusammen gegen den Klimawandel zu arbeiten. Aber unsere Staatsoberhäupter müssen ja gerade noch vorlesen wie pikiert sie sind und das sich keiner mehr auf irgendwen verlassen kann. Trump hat die USA mit seinem Schritt stark zurückgeworfen, denn Amerikas wirklich starkes Industriesegment der Technologie (auch von erneuerbaren Energien und eco-business) wird damit hinter die Konkurrenz zurück geschoben. Es bleibt nur zu hoffen, dass der Rest der Welt vor lauter verletzter Gefühle nicht auch dumme Entscheidungen treffen wird.</p>
<p>Die Welt wird nicht untergehen, aber der Mensch wird verschwinden. Brutal und unschön. Aber wir können mitbestimmen, wann das passieren wird. Es kann in 100 Jahren (also der Generation unserer Enkel) vorbei sein. Schaut ihnen dann beizeiten mal in die Augen und überlegt, ob ihr euch eher wünscht, dass sie an Vergiftung oder Verhungern sterben. Wir können das Ganze noch verlangsamen, das geht aber nur, wenn jeder täglich seinen Beitrag leistet. Auch wenn einem sonst mit Politik und Krieg und Gott und was weiß ich alles scheissegal ist &#8211; ist mal ein Thema wo sich ein Kampf im Kleinen wie im Großen tatsächlich lohnen kann.</p>
<p>Ein Hoffnungsschimmer: Die USA können aus dem Pariser Vertrag ähnlich wie die Briten beim Brexit nicht sofort austreten. Das ist genau am 4. November 2020 möglich – einen Tag nach der nächsten Präsidentschaftswahl in den USA.</p>
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