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	<title>Der Krö &#187; Tourismus</title>
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	<description>Gedanken zur Schlechtigkeit von Mensch und Welt</description>
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		<title>Pausbacken-Pauschalismus: Eine Urlaubsgeschichte</title>
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		<pubDate>Wed, 27 Aug 2014 14:27:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[derkroe]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Reiseerlebnisse]]></category>
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		<description><![CDATA[Ich bin eigentlich kein Typ für Pauschalurlaube. Wirklich nicht. Erst recht nicht All Inclusive. Oder &#8220;All In&#8221;, wie ich zuletzt häufig als Reminiszenz an das Pokermotiv, wo ein Spieler sein ganzes Glück auf ein womöglich siegbringendes Blatt oder einen ausgezeichneten Bluff setzt, hörte. Ein bisschen so ist es ja auch mit dem Urlaub. Du buchst etwas und bist auf Gedeih und Verderb dem ausgeliefert, was man dir als muckeliges Habitat zur Verfügung stellt. All Inclusive ist eine Ballermann-Hirngarderobe, wo man jegliche selbstbestimmte Aktivität des Hypothalamus am Eingang bei der freundlichen...<a class="read-more" href="http://blog.derkroe.de/?p=48">read more</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Ich bin eigentlich kein Typ für Pauschalurlaube. Wirklich nicht. Erst recht nicht All Inclusive. Oder &#8220;All In&#8221;, wie ich zuletzt häufig als Reminiszenz an das Pokermotiv, wo ein Spieler sein ganzes Glück auf ein womöglich siegbringendes Blatt oder einen ausgezeichneten Bluff setzt, hörte. Ein bisschen so ist es ja auch mit dem Urlaub. Du buchst etwas und bist auf Gedeih und Verderb dem ausgeliefert, was man dir als muckeliges Habitat zur Verfügung stellt. All Inclusive ist eine Ballermann-Hirngarderobe, wo man jegliche selbstbestimmte Aktivität des Hypothalamus am Eingang bei der freundlichen Bikinischönheit abgibt, um sich wehrlos ausgerechnet in die Hexenfinger eines Reiseveranstalters fallen zu lassen. Jenem Geifer sprotzenden Reiseveranstalter, der mit irrem Blick den Sack Geld entgegen nahm, ihn über die grindbedeckten Schultern warf und im Hinausgehen das Kabel der Telefonanlage aus der Buchse zerrte. Nein nein, das ist nichts für mich.</p>
<p>Bis vor kurzem.</p>
<p>Als Folge gewisser Umstände, die in mancher Hinsicht dem Nervenkostüm wie auch der Geldbörse wenig zuträglich waren, zog ich notgedrungen die Variante des Hirnfrei-Tourismus in die nähere Auswahl. Die Frau verdiente einen Urlaub, sie sollte ihn bekommen. Diverse Abende der Diskussion und Selektion folgten. Die Einigung erfolgte schließlich auf dem erfreulich pragmatischen Weg: Einziges Meer in Europa, wo wir noch nicht waren -Das Schwarze. Die Wahl fiel auf Bulgarien. Bulgarien ist gut. Drunter die Asi-Deutschen auf Türkeiurlaub, drüber Bürgerkrieg in der Ukraine. Eine Oase zwischen Kriegs-, Nuklear- und Menschenrechtswüste. Ich kam mir schon wie ein echter Touri vor. Für das Gefühl zog ich mir für die Buchung weiße Socken und Flip-Flops an. Ein Hawaiihemd besitze ich leider nicht. Dafür zog ich mein Shirt hoch und balancierte das Laptop während der Buchung freihändig auf der nackten Plautze.</p>
<p>Vorweg: Dem Urlaub ist im Nachhinein wie auch währenddessen eine Menge Gutes abzugewinnen. Die methodische Plakativität, die dennoch in so vielem steckt, was dieses Konzept ausbildet, ist dennoch auch die etwas bissigere Betrachtung wert.</p>
<p>Es beginnt mit einem Initiationsritus, wie ich ihn mir zum Beispiel auch im Willkommenssalon eines Swingerclubs vorstelle. Gleichwohl ich Pauschalurlaub und Swingerclubs in der gleichen, geistigen Schublade einsortiert halte, ist zweiteres auch fürderhin keine erwägenswerte Option für mich. Zurück zu unserer Initiation in die mysteriöse Welt des &#8220;All In&#8221;:</p>
<p>Kaum gelandet und von einer Bandansage, die um des Realismus&#8217; halber auf einen Roboter in Alltours-Uniform gespielt wurde, in Richtung eines Kleinbusses geschickt, werden wir auch schon angesprochen. Der kleine Glatzkopf ist Mitte 40 und spricht mit dem eindringlich unverbindlichen Gestus eines Außendienstlers. Vertreter oder so. Er beweist eindrücklich, das Stil keine Frage des Geldeinsatzes ist, indem er seinen Körper, der die besten Jahre höchstwahrscheinlich schon mit Mitte 20 nicht mehr im Rückspiegel hat sehen können, von Kopf bis Fuß in die Bohlen&#8217;sche &#8220;Camp David&#8221;-Ballermanntracht eingezurrt hat. An mancher Stelle erkennbar mit Mühe.</p>
<p>Neben der angesichts unserer einsamen Landung auf dem Geisterflughafen von Varna eigentümlich einfältigen Frage, ob wir auch aus Köln gekommen seien, werden die üblichen Floskeln ausgetauscht, die man beim Kennenlernen so stellt. Die Glatze echauffiert sich sicherheitshalber schon im Vorfeld über die Russen, konstatiert, dass in der Türkei und &#8216;auf Malle&#8217; eh alles am Besten ist und &#8220;diese Bulgaren&#8221; sicher nichts deutscher Kultur verstünden. Mir ist die Bedeutung letzterer Behauptung nicht ganz klar, weshalb mein Kopf sich eine Auszeit nimmt.</p>
<p>Im Geiste stehen wir in der &#8216;Welcome Lounge&#8217; des Swingerclubs. Er heißt &#8220;Blue Lagoon&#8221; oder vielleicht auch &#8220;Red Lantern&#8221; oder so. Wie es nur allzu häufig des Nachts auf RTL II in verstörender Bilderflut präsentiert wird, beschnuppern wir uns. Genauer: Der erfahrene Glatzkopf schnappt sich die taufrischen Novizen und beschnuppert sie. Wie ein räudiger Köter seinen Artgenossen erstmal am Arschloch riechen muss, bevor er entscheiden kann, ob er irgendwen besteigen oder zerfleischen will. Glatze wird später der erste Entkleidete im Club sein und uns nackend herbeiwinken um uns seine Skatfreunde und die Puffmutter vorzustellen. Weil wir Rehkitze uns ja noch nicht so gut auskennen in dem neuen Wald. &#8220;Mensch Glatze&#8221;, wird einer sagen, &#8220;da haste aber mal wen mitgebracht. Heidewitzka!&#8221;.</p>
<p>Zurück in der Realität sitze ich in dem erwähnten Kleinbus, der sich seinen Weg durch bulgarische Armenviertel bahnt. Etwa 40 Minuten später sind wir im hermetisch abgeriegelten Ferienreservat angekommen. Schon kurz nach dem Check-In muss ich mir das schlechte Gewissen wegsaufen, das mich angesichts der sozialen Ungerechtigkeit unseres Tuns plagt. Ich bin nicht gut im Wegsehen und wenige Kilometer neben den kümmerlichen Behausungen der Einheimischen in einem Hotelpool zu planschen, setzt mir schlicht und ergreifend zu. Kaum erwähnenswert, dass die Frau und ich die einzigen Anwesenden mit solcherlei Gedankengängen sind. Olaf, wie Glatze bei unserer Ankunft noch eilig vorstellig wurde, reisst mich aus meinen Gedanken. Er treibt als weißer Haufen Fleisch mit deutlich zu wenig Badehose im Pool herum und will wissen, ob unser Zimmer auch so dreckig sei. Ist es nicht, denn wir haben noch keins bekommen. Eifrig bietet Olaf an, dass wir bei ihm im Zimmer duschen, was wir ohne einen Blick zu tauschen synchron und mit wenig glaubhaftem Dank ablehnen.</p>
<p>Wir trinken Bier. Kein schlechtes. Es fühlt sich falsch an, jederzeit zu dem 10 Stunden täglich arbeitenden Barmann gehen zu können und ohne monetäre oder sonstwie geartete Gegenleistung Getränke zu erhalten. Auch hierbei scheint außer uns niemand vergleichbare Gedanken zu pflegen. Stillschweigend vereinbaren wir, uns einfach möglichst unauffällig zu verhalten. Um es vorweg zu nehmen: Die Frau schaffte es einmal, ich keinmal, in der Masse der Urlauber so unterzugehen, dass man es als unauffällig hätte bezeichnen können. Der erfolgreiche Versuch meiner besseren Hälfte resultierte aus einer Verköstigung aller im &#8220;All In&#8221;-Tarif enthaltenen Spirituosen. Die abschließende Trunkenheit brachte sie immerhin auf das geistige und körperliche Level unserer Sitznachbarn beim nächsten Mittagessen.</p>
<p>Die Tage plätschern so dahin und besteht zum Löwenanteil der Zeit aus tiefer Entspannung. Ab und zu kommt Olaf vorbei und versucht, unser junges Verhältnis zu vertiefen. Sein Geschick dabei erweist sich als ausbaufähig. Wir lernen schnell, dass unser pausbäckiger Profiurlauber sämtliche Mangeldetails des Hotels schon am ersten Tag gefunden UND reklamiert hat. Wir schenken ihm einen anerkennenden Blick, ich unterbreche ihn jedoch während seiner Aufzählung, was seiner Stimmung einen Knick gibt. Lange hält das Tief aber nicht an. Schon bei der nächsten Begegnung erzählt er an unseren Sonnenschirm gelehnt und stolz geschwelltem Gemächt aus dem Nähkästchen. &#8220;Offenheit, das ist das wichtigste. Als Paar, da muss man kommunizieren können! Sonst hat das alles keinen Wert, sag ich euch. Wenn ich jetzt &#8211; nur als Beispiel &#8211; in den Swingerclub wollte (HA! I knew it!) und da mit meiner Freundin drüber rede, ja? Und die will da nicht drüber reden &#8211; ja dann geh ich ja irgendwann natürlich allein! Und dann ham wa den Salat. Da ist doch besser, die kommt einfach mit und fertig. Kommunikation ist wichtig, ich sag es euch!&#8221;. Beflügelt von der Weitergabe seines Wissens und unsere offenen Münder völlig fehlinterpretierend federt er in Richtung Meer davon.</p>
<p>Die Lehrstunde in Kommunikationswissenschaft treibt mich einmal mehr in den Alkoholismus. Erfreulicherweise hat sich Olaf, der übrigens verheiratet ist und dennoch die Swingerclub-Verweigerin als Freundin hält, im repetierenden Versuch, eine mittelalte Dame anzubaggern, einer neuen Verwirklichung verschrieben und lässt uns in Ruhe. Nur einige Meckereien und die Info, dass er sein Handy verloren hat, teilt er noch mit uns. Das Handy würde wohl bei befreundeten Kindern sein, was ihm nicht gefalle, da sich auf dem Gerät Dinge befänden, die &#8220;definitiv nicht für Kinder&#8221; geeignet seien. Entspannt pfeiffend schließe ich die Tür meines Kopfkinos doppelt ab, bevor die ersten Synapsenblitze sich davor einreihen können.</p>
<p>Auf dem Rückflug lassen wir Olaf am Kölner Flughafen herzlos zurück. Wir haben keine Handynummern ausgetauscht. Uns nicht auf ein Bier verabredet. Wir haben uns nicht nie Hände geschüttelt und werden nie wieder von ihm hören.</p>
<p>Olaf, wenn du das liest: Du bist scheisse.</p>
<p>Aber Bulgarien war schön. Wie eine Oase zwischen Kriegs-, Nuklear- und Menschenrechtswüste.</p>
<p>Ach und Armenvierteln.</p>
<p>Vielleicht sollte ich was trinken..</p>
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