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	<title>Der Krö &#187; Deutschland</title>
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	<description>Gedanken zur Schlechtigkeit von Mensch und Welt</description>
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		<title>Faktencheck zum Facebook-Brandbrief</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Apr 2019 22:41:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[derkroe]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Klimawandel]]></category>

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		<description><![CDATA[Auf Facebook macht ein neuer „Brandbrief“ die Runde. Einer, der mit „Recht hat er“ und „dem ist nichts hinzuzufügen kommentiert wird. Doch. Da ist was hinzuzufügen. Eine Menge sogar. Der Faktencheck:  „Der Bundespräsident ermutigt Minderjährige die Schule zu schwänzen und gegen einen Klimawandel zu demonstrieren, von dem keiner weiß, ob es ihn überhaupt gibt. Die deutschen Medien liegen einer schwedischen Göre zu Füßen und können sich kaum noch einkriegen.&#8221; Von der eigenen Idiotie und Ignoranz sollte nicht auf das große Ganze geschlossen werden. Viele Menschen ignorieren den Klimawandel, was nicht...<a class="read-more" href="http://blog.derkroe.de/?p=102">read more</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #333333;">Auf Facebook macht ein neuer „Brandbrief“ die Runde. Einer, der mit „Recht hat er“ und „dem ist nichts hinzuzufügen kommentiert wird. Doch. Da ist was hinzuzufügen. Eine Menge sogar. Der Faktencheck:</span></p>
<p><span style="color: #0000ff;"><em> „Der Bundespräsident ermutigt Minderjährige die Schule zu schwänzen und gegen einen Klimawandel zu demonstrieren, von dem keiner weiß, ob es ihn überhaupt gibt. Die deutschen Medien liegen einer schwedischen Göre zu Füßen und können sich kaum noch einkriegen.&#8221;</em></span></p>
<p><span style="color: #000000;">Von der eigenen Idiotie und Ignoranz sollte nicht auf das große Ganze geschlossen werden. Viele Menschen ignorieren den Klimawandel, was nicht bedeutet, dass er nicht längst massiv in Kraft getreten ist. Studien dazu gibt es wie Sand am Meer und von Wissenschaftlern aus allen Teilen der Erde. Eine weltweite Verschwörung? Und wozu sollte die gut sein? Wer sich auch nur ein paar Minuten Mühe gibt, Google mit den Suchworten „Climate Change Study“ o.ä.  zu füttern oder bei Statista drei Statistiken ansieht weiß, dass die „schwedische Göre“ und jeder einzelne Mensch, egal ob jung oder alt, der versucht, die Politik zum Handeln zu zwingen, verdammt noch mal gut daran tut. Dass das überhaupt nötig ist und dass sich Erwachsene daran ereifern und – wie jüngst passiert – sogar junge Demonstranten angreifen, ist ein Armutszeugnis und die verbalen Entgleisungen des Autors brandmarken ihn als genau jene autoradikalisierte Störkraft, die uns von Pegida bis AfD alles eingebracht haben.</span><br />
<span style="color: #0000ff;"><em>„Hallelujah! Es ist soweit! Der Zerfall dieser Kultur geht in die Endphase. Die Anarchie naht und bald fallen die letzten Bollwerke der Vernunft und wir können ausrufen: Alles ist erlaubt!“</em></span></p>
<p><span style="color: #888888;">Weil Schüler für eine bessere Zukunft demonstrieren. Ja klar.</span></p>
<p><span style="color: #0000ff;"><em> „Mir scheint, Vielen ist das noch nicht wirklich bewusst. Sie haben sich schon an so viel Irrsinn schon gewöhnt, schreiben vernünftelnde Texte und hoffen, dass der Spuk bald vorübergeht.</em></span><br />
<span style="color: #0000ff;"> <em> Leute, Leute! Wacht doch endlich auf! Blickt doch mal auf das große Ganze, das phantastische Spektakel, das sich euch bietet. So was ist nur wenigen Generationen vergönnt. Eine verdammte Gesellschaft, die nicht schnell genug vergehen will. Da wird die Sprache von oben verhunzt durch Gendersternchen. Da wird nicht nur ein drittes Geschlecht propagiert, Nein, da werden Toiletten für dieses Hirngespinst gebaut.“</em></span></p>
<p><span style="color: #888888;">Gendersternchen – ok. Das nervt ein bisschen. Aber hätte die Gleichberechtigung von Frauen in Deutschland nicht erst gefühlt 1980 eingesetzt, nachdem unsere penislosen Mitmenschen über Jahrhunderte Familie und Herd zu hüten hatten und Sonntags für den Herrn des Hauses bei dessen Laune den Arsch hinzuhalten hatten, dann wären wir sprachlich vielleicht auch nicht in der Sackgasse, in der wir sind. Zu behaupten, das „dritte Geschlecht“ sei ein Hirngespinst ist so, als würde man heute auch noch Homosexuelle als krank begreifen. Die Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität geht von 20.000 – 80.000 Transgendern in Deutschland aus und die Zahl steigt andauernd. Reichlich Infos für Hirngespinst-Gläubige gibt’s hier: <span style="color: #888888;"><a href="https://www.dgti.org/">https://www.dgti.org/</a></span></span></p>
<p><span style="color: #0000ff;"><em>„Da werden Fahrverbote aufgrund dubioser Messungen und Grenzwerte verhängt und die wichtigste Industrie dieses Landes mutwillig zerstört.“</em></span></p>
<p><span style="color: #888888;">Das einzig dubiose an den Messungen sind die Versuche einiger Städte und Kommunen, die Werte zu frisieren. Die Feinstaubbelastung in Städten ist nachweislich alarmierend. Eine schöne Gegenüberstellung von fundierter Recherche und populistischer Kackscheisse hier: <a href="https://www.youtube.com/watch?v=Efb5ytdZaC8&amp;t=2s"><span style="color: #888888;">https://www.youtube.com/watch?v=Efb5ytdZaC8&amp;t=2s</span></a></span></p>
<p><span style="color: #888888;">Lustiges Stück zur Feinstaub-Friesiermessung´: <a href="https://www.youtube.com/watch?v=BNpagbZXZeo&amp;t=1s"><span style="color: #888888;">https://www.youtube.com/watch?v=BNpagbZXZeo&amp;t=1s</span></a></span></p>
<p><span style="color: #888888;">Und man könnte so empfinden, dass die „wichtigste Industrie“ Deutschlands in den Jahren seit 1893 hätte Fortschritte machen können, statt den Diesel einfach stupide immer weiter zu produzieren.</span></p>
<p><span style="color: #0000ff;"><em> „Eine irrwitzige Energiewende wird eingeläutet, nach dem Atomstrom wird auch der Kohlestrom über Bord geworfen. Der Blackout droht, und der Wahnsinn nimmt kein Ende.“</em></span></p>
<p><span style="color: #888888;">Eine häufig genannte Schreckensmeldung. Der Blackout. Uhh-huuu! Das Problem am Ökostrom ist derzeit nicht, dass der Ökostrom nicht reicht (das macht der Mix aus Luft, Wasser und Sonne schon ganz gut), sondern daran, dass das Netz die kaskadierenden Spannungsschwankungen noch nicht so gut wegsteckt. Aber deshalb droht noch lang kein Blackout. Es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass ein Blackout für die Bürger kommen könnte, da zur Zeit auch Ankaufsmöglichkeiten aus dem Ausland sowie ja weiterhin noch produzierende Kohlekraftwerke am Netz sind. Ist also an der Zeit, die Netzstabilität zu überarbeiten. Hätte man ja auch früher mal dran denken können.</span><br />
<span style="color: #0000ff;"><em>&#8220;Nichts funktioniert mehr in diesem verwahrlosten Land. 10.000 marode Brücken, kaputte Schulen und Straßen – die Infrastruktur pendelt sich auf dem Niveau eines Schwellenlandes ein.&#8221;</em></span></p>
<p><span style="color: #888888;">Nur mal für die Zahl: Mit Stand 2018 sind 12,4 % der Brückenfläche in Deutschland marode. Macht bei etwa 40.000 Brücken in Deutschland nicht mal 5000. Da die meisten betroffenen Brücken wohl Autobahn- oder anderweitig vielbefahrene Straßenbrücken sind, ist mal eher von 1500 – 2000 auszugehen. Quelle: <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/deutschland-so-ist-es-um-die-bruecken-bestellt-a-1215558.html"><span style="color: #888888;">http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/deutschland-so-ist-es-um-die-bruecken-bestellt-a-1215558.html</span></a></span></p>
<p><span style="color: #888888;">Zur sonstigen Infrastruktur: Fahrt mal nach Belgien, Spanien, Italien und vergleicht die Straßen dort mit selbst den schlimmsten unserer Straßen. Da sollte mal jemand googlen, was Schwellenland eigentlich bedeutet. Bei Schulen ist das übrigens dasselbe.</span></p>
<p><span style="color: #0000ff;"><em>„Wir alle lachen über die Regierungsflieger, die immer wieder stranden. Die Bundeswehr: eine Lachnummer, bei der wohl kaum noch etwas einsatzbereit ist.“</em></span></p>
<p><span style="color: #888888;">Stimmt. Da läuft eine Menge auf sehr teure Art schief.</span><br />
<span style="color: #0000ff;"><em>„Ja, natürlich: offene Grenzen – weltweit einmalig. Millionen von meist ungebildeten Migranten, Milliarden für eine dubiose Asylindustrie.&#8221;</em></span></p>
<p><span style="color: #888888;">Uff, da es immer um Deutschland geht: 2015 waren es 890.000, 2016 waren 280.000 und 2017 186.000. 2018 war so ähnlich mit 185.000. Das sind keine „Millionen“. Ein Großteil ist auch schon wieder weg. Also ganz ruhig. Ungebildet sind davon übrigens gar nicht so viele. Der Autor meint sicher die Armutsflüchtlinge, meist aus Afrika, aber auch aus Rumänien und Co. Davon schaffen es aber gar nicht so viele, hier ein Bleiberecht zu bekommen (oder illegal da zu bleiben). Der größte Teil der Flüchtenden sind vor einem Krieg oder politischer Verfolgung geflohen und damit ein Querschnitt durch die Gesellschaft. Vom Bäcker über den Friseur bis zum Zahnarzt. Aber pardon, es soll sicher das Bild erhalten bleiben, dass dort nur dumme Affen leben und uns unseren Wohlstand klauen wollen, den sie dann auf einer Palme fressen, während sie auf unseren Benz scheissen.</span></p>
<p><span style="color: #0000ff;"><em>„Überall schießen Moscheen aus dem Boden, die Kriminalität steigt und in den großen Städten haben über 50 Prozent der Kinder bereits Migrationshintergrund. Das Fernsehen berichtet stolz über Islam-Schnupperkurse in den Kindergärten.“</em></span></p>
<p><span style="color: #888888;">Stimmt, Moscheen nerven mich auch. Ungefähr genauso sehr wie Kirchen. Allerdings finde ich bei der Liste der Moscheen in Deutschland (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Moscheen_in_Deutschland"><span style="color: #888888;">https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Moscheen_in_Deutschland</span></a>), also zumindest der offiziellen Moscheen vom Dachverband, lediglich fünf Moscheen, die seit 2015 neu entstanden sind. Komisch, wo die doch „überall aus dem Boden schiessen“.</span></p>
<p><span style="color: #888888;">Die Kriminalität steigt übrigens nicht, sondern war 2018 auf dem niedrigsten Stand seit 1992. Die Angst vor Kriminalität ist dagegen auf einem Höchstwert. Kann sich jeder selbst fragen, bei wem jetzt das Problem liegt.</span></p>
<p><span style="color: #888888;">50% der Kinder haben Migrationshintergrund ist schlicht unwahr. Es gab 2017 einen Peak mit 39,1%, der ist aber etwas gesunken (finde die Statistik grad nicht wieder). Dazu gehören aber auch die netten Schweden und Dänen, die Amerikaner, Russen, Schweizer und Österreicher – nicht nur die Terroristen aus den Südlanden.</span><br />
<span style="color: #0000ff;"><em>„Frauentag und Frauenquote! Die Medien jubeln.&#8221;</em></span></p>
<p><span style="color: #888888;">Schon falsch. Das Thema wurde in den Medien äußerst kontrovers diskutiert.</span></p>
<p><span style="color: #0000ff;"><em>„Als hätten die Frauen, die es bisher in politische Führungsämter geschafft haben, nicht genug Unheil angerichtet. Aber das wird munter wegrelotioniert.“</em></span></p>
<p><span style="color: #888888;">Lustig, einen männlich besetzten Neologismus (falsch) zum Ende einer Anti-Frauen-Eskapade zu schreiben. Ansonsten faktenleere, subjektive lauwarme Luft. Es sei denn, die Nahles ist gemeint. Die kann ich nicht leiden. Zum Glück machen unsere Prachtjungs Seehofer, Spahn und Co. ja alles richtig und gut.</span><br />
<span style="color: #0000ff;"><em>„Bei den Zukunftstechnologien, bei KI, Digitalisierung oder Gentechnik ist dieses Land weit abgeschlagen. Da wird sich auch kaum was ändern.“</em></span></p>
<p><span style="color: #888888;">Stimmt, wir müssen ja Autos nach dem Muster von 1893 bauen (weil ist die wichtigste Industrie).</span></p>
<p><span style="color: #0000ff;"><em>„Die wichtigste Ressource verfällt, das Bildungsniveau sinkt immer weiter ab. Soll ja keiner benachteiligt werden beim Run auf die Studienplätze in Genderwissenschaften oder Sozialpädagogik, während in China jedes Jahr eine Million gut ausgebildeter und hochmotivierter Diplomingenieure die Unis verlässt.“</em></span></p>
<p><span style="color: #888888;">Beim Bildungsniveau passiert mit G9 und endlich wieder gelehrter Rechtschreibung ja gerade wieder was, worauf wir uns freuen können. In China ist die Zahl tatsächlich sogar höher. Der Google Übersetzer war grad nicht so spitze mit Mandarin, aber ich glaube, es sind sogar rund 8 Millionen Ingenieursstudenten. Allerdings kann von „gut ausgebildet“ keine Rede sein. Wer in Deutschland seinen Dipl.-Ing. macht, ist nach wie vor auf der ganzen Welt eine heiß begehrte Arbeitskraft. Chinesische Ingenieure sind nicht mal im eigenen Land eine sonderlich begehrte Arbeitskraft.</span></p>
<p><span style="color: #0000ff;"><em>„Aber in Deutschland möchte ein Drittel der Studierenden in den öffentlichen Dienst, weil man dort für nichts verantwortlich ist und die Work-Life-Balance stimmt. Die nichtsnutzige Generation Z liebt die Grünen, denn die sind immer für mehr Bürokratie und staatliche Bevormundung gut.“</em></span></p>
<p><span style="color: #888888;">Genau genommen beklagt der Öffentliche Dienst seit vielen Jahren seinen Nachwuchsmangel. Da war mal die Rede von 50.000 Stellen am Anfang (2010), die nicht besetzt werden konnten. Auch jetzt ist es noch schwierig für den ÖD, taugliche Arbeitskräfte zu finden. Was die Generation Z mit den Grünen zu tun hat, erschließt sich mir nicht. Hab ich die grüne Mehrheitsregierung verpasst?</span><br />
<span style="color: #0000ff;"><em>„Wer Idioten wählt, oder gewählten Idioten folgt, wird mit Zukunftsentzug nicht unter zwei Generationen bestraft“, möchte man rufen. Die politischen Eliten treiben das Land immer weiter in den Suizid und die Isolation. Merkel verdirbt es sich mit den USA, mit Russland und China gleichzeitig, indem sie den Politikern dort frech die Leviten liest. Man möchte wirklich glauben, dass unser Politgesindel von finsteren, deutschlandfeindlichen Mächten ferngesteuert wird.“</em></span></p>
<p><span style="color: #888888;">Angela Merkel ist eigentlich nur in Teilen von Deutschland unbeliebt (zumindest seit die Griechen sich wieder eingekriegt haben). In den USA (vor Trump, der mag eh niemanden), Russland und China ist sie eine gern gesehene Politikerin, hart aber immer „on top oft he game“ (Washington Post). Und unsere Politik wird von finstereren, deutschlandfeindlichen Mächten gesteuert? Hat der Kopp Verlag wieder ne Alien-Geschichte gehabt?</span><br />
<span style="color: #0000ff;"><em>„Was ist das für ein Volk, diese Deutschen? Existiert es überhaupt ? 400 Milliarden hat es sich durch die betrügerische Nullzinspolitik rauben lassen. Aus der eigenen, privaten Tasche! Der bisherige Höhepunkt der Ausplünderung wird sicherlich bald durch Bankenunion und ähnlichen EU-Schwachsinn getoppt.“</em></span></p>
<p><span style="color: #888888;">Die genau genommen 436 Milliarden sind das theoretische Sparpotential, was wir hätten sparen können, falls wir bessere Zinsen hätten – umgelegt auf jeden Bürger etwas über 5000 Euro. Basierend auf den durchschnittlichen Zinssätzen zwischen 1998 und 2008. Zinsen, auf die niemand ein gegebenes Recht hat. Und niemand muss aus der „eigenen, privaten Tasche“ etwas bezahlen.</span><br />
<span style="color: #888888;"> <em>„Aber dem Deutschen ist scheinbar alles egal, er liegt schon länger wohlstandsverwahrlost im Koma. Es interessiert ihn offenbar nicht, dass beispielsweise ein Österreicher bei gleichen Bruttobezügen 40 Prozent mehr Rente bekommt als er.“</em></span></p>
<p><span style="color: #888888;">U.a. liegt das daran, dass deutlich mehr, nämlich 22,8% eingezahlt wird. In Deutschland 18,7% (2017). Mehr zum Thema hier: <span style="color: #888888;"><a href="https://www.merkur.de/politik/renten-paradies-oesterreich-faktencheck-8465343.html">https://www.merkur.de/politik/renten-paradies-oesterreich-faktencheck-8465343.html</a></span></span></p>
<p><span style="color: #0000ff;"><em> „Dass der mittlere Haushalt in der Bundesrepublik weniger Nettovermögen besitzt als der Durchschnitt der EU-Bürger und die Quote für Wohneigentum niedriger ist als in den meisten EU-Staaten. Dass dieses Land an der Weltspitze liegt bei den Abgaben auf Einkommen. Aber der Deutsche masturbiert weiter auf die Phantasie vom „reichen und wohlhabenden Land“.“</em></span></p>
<p><span style="color: #888888;">Genaugenommen sind wir auf Platz 7 und fast 1000 Euro über dem europäischen Durchschnitt <a href="https://de.statista.com/statistik/daten/studie/183571/umfrage/bruttomonatsverdienst-in-der-eu/"><span style="color: #888888;">https://de.statista.com/statistik/daten/studie/183571/umfrage/bruttomonatsverdienst-in-der-eu/</span></a> Das Problem mit reich und wohlhabend ist immer, dass halt nicht alle reich und wohlhabend sein können. Der Chef verdient vor allem daran, dass er mehr vom Kunden bekommt, als ihn sein Personal kostet. Da wären sicher gerade beim Wohnungsmarkt Regulierungen überfällig.</span></p>
<p><span style="color: #0000ff;"><em>„Dass die Altersarmut steigt, 930 Tafeln hungernde Menschen mit Lebensmitteln versorgen müssen, ein aufgeblähter öffentlich-rechtlicher Propaganda-Moloch mit 8 Milliarden Zwangsgebühren pro Jahr immer noch nicht genug hat, dass die Gesundheitsversorgung immer schlechter wird und um die 15.000 Menschen in Krankenhäusern jährlich an multiresistenten Keimen sterben, &#8211; das alles juckt die Deutschen in ihrer Duldungsstarre nicht im geringsten.“</em></span></p>
<p><span style="color: #888888;">Alles große Themen, die viiiiieeel diskutiert werden. Frage mich langsam, wo dieser Autor wohl lebt? Unter einem Stein? Also: Altersarmut steigt – stimmt, ist ein Riesenproblem.</span></p>
<p><span style="color: #888888;">Tafeln: Es sind 940, die wenigsten „Kunden“ der Tafeln hungern, bewegen sich aber um die Armutsgrenze. Nach Angaben der Tafeln regelmäßig bis zu 1,5 Millionen Menschen.</span></p>
<p><span style="color: #888888;">Rundfunkgebühr: Der „Propaganda-Moloch“ hat 2018 7,82 Milliarden Euro eingenommen. Davon werden Sendungen auf ARD, ZDF und allen dritten Programmen finanziert. Dazu gehören Weltmeisterschaften, Song Contests und diese ganzen Tatorte. Zusätzlich sämtliche öffentlich-rechtlichen Radiosender. RTL hat 2018 übrigens 2,2 Milliarden Euro Umsatz gemacht. Und deren Aktivitäten sind ein Bruchteil dessen, was der gesamte öffentlich-rechtliche Rundfunk leistet. Und weil alles teurer wird, kämpft man auch hier mit steigenden Kosten.</span></p>
<p><span style="color: #888888;">Gesundheit: Die Versorgung wird immer besser, nur auf dem Land dünnt es sich etwas aus. Gesundheit ist auch Eigenverantwortung. Wer immer gleich nach Antibiotika schreit, wird anfälliger für Krankenhauskeime. Gesundes Leben hilft</span> <span style="color: #888888;">gegen kranke Fieslinge.</span><br />
<span style="color: #0000ff;"><em>„Tumorartig wuchert der bürokratische Apparat, es werden mehr Beamte eingestellt, wo schon jetzt die üppigen Pensionszusagen zu explodieren drohen.“</em></span></p>
<p><span style="color: #888888;">Hierzu ist nirgends auch nur die kleinste Information zu finden. Frei erfunden?</span></p>
<p><span style="color: #0000ff;"><em>„Sein Treibstoff: immer neue Gesetze und Verordnungen, eine verbissene Bevormundung durch linksgrüne Etatisten, die jede Vitalität der Gesellschaft im Keim erstickt und die Umverteilungsfanatiker legitimiert. Erst wenn jeder Transferzahlungsempfänger ist, ist das Werk der sozialistischen Pest vollendet.“</em></span></p>
<p><span style="color: #888888;">Ich verstehe nicht einmal, was er (oder sie, oder divers) hier sagen will. Klingt für mich nach aneinandergereihten Stichwörtern, denen irgendwie das Fleisch am Knochen fehlte. „Linksgrüne Etatisten“ fungiert dabei wie „rechtsradikal Gemäßigte“? „Vitalität der Gesellschaft“ würde ich mal als Pegida interpretieren und &#8220;sozialistische Pest&#8221; – hmm, CDU? <img src='http://blog.derkroe.de/wp-includes/images/smilies/icon_biggrin.gif' alt=':D' class='wp-smiley' /> </span><br />
<span style="color: #0000ff;"><em>„Nein, es lohnt nicht mehr, sich Gedanken oder Sorgen um dieses Land zu machen, kluge Texte zu schreiben oder Argumente zu sammeln.“</em></span></p>
<p><span style="color: #888888;">Deshalb ist auch nichts von alldem in diesem Text enthalten.</span></p>
<p><span style="color: #0000ff;"><em>„Der Zerfall ist umfassend und absolut. Wohin man blickt, regiert der Wahnsinn, beklatscht von infantilen Dummschwätzern. Ist der soziale Kern erst erodiert, zerfällt es sich ganz ungeniert. Naiv der, der noch selbstbetrügerisch Hoffnung hat.“</em></span></p>
<p><span style="color: #888888;">Ergänze: Wohin man blickt schreiende Dummschwätzer die das Ende der deutschen Rasse beklagen.</span><br />
<span style="color: #0000ff;"><em> „Freuen wir uns auf die aufregenden und spannenden Zeiten, die jetzt vor uns liegen. Bürgerkriegsähnliche Zustände, Clans die NoGo-Zonen beherrschen, vielleicht der Crash des Euro.“</em></span></p>
<p><span style="color: #888888;">Und ich dachte, die Rechten wollten, dass der Euro crasht? Und dass wir doch schon bürgerkriegsähnliche Zustände haben. Siehe oben, die Kriminalität ist ja allgegenwärtig und die Clans haben doch schon die Hälfte aller Kinder zu Migranten gemacht, oder hab ich was falsch verstanden?</span></p>
<p><span style="color: #0000ff;"><em>„Nach der Spaltung dann die Zersplitterung der Gesellschaft und das Aufkommen tribalistischer Strukturen. Die immer härter ausgetragenen Konflikte zwischen Jung und Alt, Stadt und Land, Männern und Frauen, Migranten und Einheimischen, Systemprofiteuren und Ausgeplünderten.“</em></span></p>
<p><span style="color: #888888;">Und Mad Max zieht seine Runden durch die Wüste, die einst ein Weltreich war. Der Autor wird hier ja richtig melancholisch…</span><br />
<span style="color: #0000ff;"><em>&#8220;Endlich Anarchie! Alles ist erlaubt, wenn man sich traut und sich nicht besonders blöd anstellt. Scheiß auf die Zukunft, Rente never comes, was zählt ist das Hier und Jetzt. Autorität? Was war das nochmal?</em></span><br />
<span style="color: #0000ff;"> <em> Aber vielleicht kommt er ja schon bald, der herbeigesehgnte muslimische Bundeskanzler. Dann wird die Scharia eingeführt und Ruhe ist im Karton mit dem Aufdruck „Failed State“&#8221;</em></span></p>
<p><span style="color: #888888;">Ganz ehrlich, welchen Unsinn ein Bundeskanzler glaubt, ist doch scheissegal. Die Gesetze macht in Deutschland auch nicht der Kanzler. Aber lassen wir das.</span></p>
<p><span style="color: #888888;">Fassen wir zusammen: Wie bei diesen Stammtischmaulereien üblich, fehlt fast jeder Aussage ein faktisches Fundament. Es ist der übliche Ton, der heute angeschlagen werden muss, wenn man gehört werden will und die Verbreitung in den sozialen Medien ist hoch. Menschen lesen das und fühlen sich in ihrem subjektiven Empfinden, das durch die mediale Überforderung geschürt wird, bestätigt. Wenn doch alle erstmal nachlesen würden, ob das stimmt, was sie da gerade gehört oder gelesen haben, was für ein schöner Ort könnte doch das Internet sein.</span></p>
<p><span style="color: #888888;">Der Autor des Textes ist übrigens nicht ausfindig zu machen. Würde mich nicht wundern, wenn der aus einer einschlägigen Schreibfabrik einer relativ jungen Partei stammen würde. Vielleicht werden wir es nie erfahren.</span></p>
<p><span style="color: #888888;">Interessant ist im Zusammenhang mit diesem Text übrigens eine Statistik des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Strafrecht von 2017, laut der sich jeder Fünfte Deutsche in seiner eigenen Wohngegend unsicher fühlte. Da sollte man mal an die Ursachen gehen und ergründen, wie sich die Schreihälse, die diese Angst erzeugen und schüren, zum Schweigen gebracht werden können. Versuchen wir&#8217;s bisweilen mal mit Aufklärung.</span></p>
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		<title>„Wie sehr ist euer Arsch grad offen?“  – Ein garendes Bad in der Suggestivsuppe</title>
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		<pubDate>Mon, 04 Jun 2018 21:59:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[derkroe]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
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		<description><![CDATA[Heute ist etwas Großartiges passiert. Sozusagen ein Kommunikations-Quantensprung. Ein fernes Blitzen einer strahlenden, verheißungsvollen, perfekten Welt fassbarer, ja wahrhaftiger Sprache. Diesen Hoffnungsschimmer verdanken wir nicht den Politikern, Autoren und Scheingebildeten. Nein – im Zentrum dieses Märchens steht ein Junge namens Paul. Doch ich greife vor. Um zu verstehen, welchem häßlichen Untier aus den Gossen dieser schönen Sprache sich Paul mit seinem Heldenmut entgegen geworfen hat, begeben wir uns in die Welt des Sports. Oder besser gesagt an dessen Rand. Buchstäblich. An den Spielfeldrand. Hier nämlich auf den heiligen Gründen zwischen...<a class="read-more" href="http://blog.derkroe.de/?p=97">read more</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Heute ist etwas Großartiges passiert. Sozusagen ein Kommunikations-Quantensprung. Ein fernes Blitzen einer strahlenden, verheißungsvollen, perfekten Welt fassbarer, ja wahrhaftiger Sprache. Diesen Hoffnungsschimmer verdanken wir nicht den Politikern, Autoren und Scheingebildeten. Nein – im Zentrum dieses Märchens steht ein Junge namens Paul.</p>
<p>Doch ich greife vor.</p>
<p>Um zu verstehen, welchem häßlichen Untier aus den Gossen dieser schönen Sprache sich Paul mit seinem Heldenmut entgegen geworfen hat, begeben wir uns in die Welt des Sports. Oder besser gesagt an dessen Rand.</p>
<p>Buchstäblich.</p>
<p>An den Spielfeldrand.</p>
<p>Hier nämlich auf den heiligen Gründen zwischen Flimmerbande und Luxusgrün, dort wo beinahe tödlich verwundete Millionäre binnen Sekunden unsichtbar klaffende Fleischwunden zu heilen vermögen, wo sich im sanften Gefälle – einst zur Entwässerung des teuren Grases angelegt – der warme Sommerregen mit Nasenrotz und Spucke Ferrari fahrender 19-Jähriger vermischt wie die Tränen des Fußballgottes selbst in Rinnsalen gen Tartanbahn schlängelt, dort leben sie.</p>
<p>Erschaffen von hemdsärmeligen Typen und in seltsame Farben gehüllte Frauen, am Leben gehalten, wenn auch in den dunklen Gängen von  sich dunkel dem Himmel entgegen dräuenden Betongerippen, wartend, sich auf die Tüchtigen und Schwitzenden zu werfen, deren fingerzählbaren IQ selbst mit kleinem Geschick an der Auslösung des rhetorischen Fluchtreflexes zu hindern und sich am verdatterten Worterbruch des Opfers zu laben.</p>
<p>Manch ein Trikotträger wehrte sich, focht stumm mit dem Ungetüm, starrte von Verwirrung und Trotz gezeichnet in die häßliche Fratze des Monsters, manch einer stieß gar das logobewehrte Schwert aus seinem Gesicht und trat den Rückzug an. Die meisten jedoch fielen. Fielen hart hinein in die Falle, die ihnen gestellt wurde:</p>
<p>Die Suggestivfrage.</p>
<p>Es lässt sich des Eindrucks kaum erwehren, dass dieses Stilmittel – vor Gericht übrigens meist nicht zugelassen – auf der zentralen Waldorfschule für Moderation und Sportredaktion entweder der einzige Unterrichtsinhalt war bevor nur noch die Fächer „Selbstverliebtheit“, „Simultan nachplappern, was man auf das Ohr bekommt“ und „12 Worte in 12 Minuten – wie man ein Showfinale spannend macht“ vorkamen oder aber es gab an dem Tag Gummibärchen vom Dozenten.</p>
<p>So oder so – der Teil ist hängen geblieben. Die Frage, ob sich jemand über einen Sieg freut ist ja auch verkalkt! „WIE SEHR freust du dich über den Sieg?“ – DAS ist doch die Frage. Und ob jemand sauer über den Fehler des Kollegen ist? Viel zu schwach! WIE SAUER ist er? Andernfalls wüsste der kickende Dimpel doch gar nicht, dass er überhaupt sauer ist.</p>
<p>Und weil die Schreihälse von der Seitenlinie im Fernsehen inzwischen die klaffende Lücke schließen müssen, die nach dem Sterben der Moderationsbrutstätte VIVA aufgerissen war, und sich folgerichtig jetzt schlicht überall tummeln wie die Ratten unter Berlin, haben sie das linguistische Krebsgeschwür auf alle Kanäle metastasiert.</p>
<p>WIE SEHR sich der Teilnehmer einer Hüpf- und Spring-Show im Privatfernsehen über den Sturz des Gegners gefreut habe? WIE SEHR die Trennung von X noch an Y nage? WIE VERLIEBT Y jetzt in Z sei? WIE GROSS war der Schmerz beim Sturz? Was soll man da sinnvolles antworten? Na eben das, was die die Patrick Stars der realen Welt (nur in reich und mit Ball am Fuß) halt auch durch den Schweiss- und Speichelsprühnebel nuscheln: „Total“, „Mega“, „Unfassbar“.</p>
<p>Im Alltag sind diese implikativen bzw. geschlossenen Suggestivfragen schlicht nicht praktikabel. Fragt doch mal den Kollegen morgens, WIE GUT es ihm heute geht oder WIE LANGSAM er heute gedenkt, sein Tagwerk zu verrichten. Während es bei einem der wenigen, leidlich zulässigen Frage dieser Art (14-Jährige fragt 14-Jährigen „Wie sehr liebst du mich?“) noch eine vorgeschriebene Antwort („Bis zum Mond und wieder zurück“) gibt, ist das ansonsten eher ein Gesprächskiller. Aber den eitlen Halbaffen mit den Sky-Hemden verzeihen wir es. Und die Moderatorentochter mit der Asi-Stimme darf ihre Scheisse auch bei RTL in den Äther seiern.</p>
<p>Was uns wieder zu Paul bringt, der es in seinem Leben nur zu Großem bringen kann. Im WDR 5 Kinderradio beantwortete Paul nämlich per Telefon ins Studio geschaltet Fragen des Moderators. Zunächst ging es um Musik und was sie bedeutet. Der Moderator lenkte das Thema auf WM-Songs um. Paul folgte souverän.</p>
<p>Da lässt der Moderator die Deckung fallen und befreit das Monster. Das wirft sich gierig, nicht ahnend, dass es sehenden Auges in sein Verderben, ja in die Belanglosigkeit zielt auf den 8-Jährigen. Es ist als würde die Sprache selbst den Atem anhalten, der Gefahr gewahr, in der Helden-Paul  schwebt. Es scheint, als halle das ferne Gackern der Moiren durchs Hintergrundrauschen und das wetzen rostigens Stahls am Lebensfaden von Pauls rhetorischer Souveränität singt hochfrequent darüber. In die Stille malt der Mund des Moderators die Wortfalle:</p>
<p>„WIE SEHR freust du dich denn auf die Weltmeisterschaft?“</p>
<p>Paul: „Ja.“</p>
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		<title>Eure Emotionen kotzen mich an – die Devolution des guten Deutschen</title>
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		<pubDate>Wed, 26 Apr 2017 22:03:20 +0000</pubDate>
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				<content:encoded><![CDATA[<p>Ich höre inzwischen WDR 4 im Radio. Da laufen Lieder aus Zeiten, wo ich noch nicht geboren war. Und Schlager. Oft solche aus derselben Zeit. Was „jüngere“ Sender einem da als Musik verkaufen wollen, ist aber auch wirklich nicht zu ertragen. Und damit meine ich ausnahmsweise mal nicht die holzblöden Ami-Importe, die mit drei Akkorden, Bum-Bum-Blödsinn und Texten daherkommen, als seien sie aus abgehörten Telefonaten Donald Trumps zusammengesetzt worden. Ich rede von der Flutwelle sogenannter Singer/Songwriter, die sich ihre Songs writen lassen und in Interviews gern zugeben, keine besonders tollen Sänger zu sein. Es gehe da um Emotionen, schwafelt der eine, der andere hätte gern öfter Liebeskummer, weil er dann die Emotionen besser in seine Songs einfließen lassen könne.</p>
<p>Pubertierendes Oral-Ejakulat von Typen über 30, die wahrscheinlich beim Wichsen um die vertane Chance auf Kinderglück losheulen. Und die Musik ist ja nur die Spitze des Eisbergs. Beim Fernsehen wird das Ganze nicht nur verbal, sondern auch optisch verwurstet. Deutsche TV-Produzenten haben wohl irgendwann in „TV Production for Dummies“ gelesen, dass der dumme Zuschauer den Wert einer Sendung nur anerkennen kann, wenn er mindestens zweimal geweint, sich geekelt, Hass empfunden hat und ein bisschen geil wurde. Und dann bring das mal bei einer Familienshow. Top Beispiel ist DSDS, das schon früh erkannte, dass Bloßstellung viel besser läuft als gute Sänger. Und wenn man die Recalls nach Dubai verlegt, laufen die Dummfotzen sogar freiwillig im Bikini durchs Bild – 50% der Arbeit der Realisatoren erledigt sich also von selbst. Das muss man vielleicht mal erklären: Bei solchen Produktionen sind immer Realisatoren mit Kamerateams unterwegs. Sie bereiten Heidis Stöcke vor bis die Heidi kommt und sagt, dass die Haare ab müssen. Sie sagen Tschastin, dem Singer/Songwriter, er könnte doch die Mandy mal in den Pool schubsen, obwohl die als nächste dran ist, Onkel Dieter ihre für eine 17-Jährige viel zu großen Hupen vor die schrumpligen Tränensäcke zu halten. Sie sagen Carmen, wann sie Rooobert mal rufen soll, drehen Vorstell-MAZen, die trendige Sportler zu tief traurigen Individuen machen (Katze ist vor 12 Jahren gestorben – R.I.P. Rocky! *KreuzzeichenfalschrumpluswinkenindenHimmel*) und sie machen Stimmung am Set.  Keiner will sehen, wie normale Leute sich normal verhalten. Das deprimiert uns. Die Fernseh-Viecher sollen aufgedreht sein, traurig sein, „für etwas brennen“ oder abgrundtief hassen.</p>
<p>Da hat sich ganz schön was geändert im Land der Beherrschten. Wir Dichter und Denker, wir akribischen Arbeiter, wir. Vor ein paar Jahren noch, als in Paris mal wieder die Banlieus brannten, sagte ein Kumpel zu mir, sowas könnte in Deutschland gar nicht passieren – der Deutsche mache seinem Unmut in der Kneipe Luft oder wählt beim nächsten mal „zur Strafe“ für die CDU die SPD. Oder wenn’s ganz hart wird sogar die Grünen. Was ist heute? Pegida-Aufmärsche, Massenproteste und was im Internet vor sich geht, mag man ja kaum mehr verfolgen. Was ist passiert, dass so viele Deutsche inzwischen emotionssüchtig sind? Warum muss man für den BVB so „brennen“, dass man die Gegenwart eines Schalkers körperlich nicht aushält? Warum trifft die Anwesenheit eines Syrers manch einen so, dass er ihn ermorden oder in den sicheren Tod nach Syrien zurück schicken will? Warum müssen alle bei Let’s Dance heulen, obwohl es so viel zu lachen gibt? Warum sagt die Frau in der Kochshow, dass sie ihr Gericht „für meinen Dad“ gemacht hat, der vor 40 Jahren gestorben ist? Und warum schickt der Juror die Alte mit der Nudelsuppe dann eine Runde weiter?</p>
<p>In der Welt war Deutschland, oder besser gesagt, waren die Deutschen für ihr Wesen schon immer gleichsam belächelt und geschätzt. Die sehr präzisen, exakten und etwas humorlosen Leutchen aus dem Wirtschaftswunderland, die den ganzen Tag Bier trinken und Probleme mit Lösungen bekämpfen. Habe neulich gelernt, dass eine Art chinesischer TÜV Produkte des heimischen Markts nach Deutschland zur Prüfung in ein Labor schickt. Wir sind berühmt dafür, wirklich sehr gut in dem zu sein, was wir tun. Aber trifft das zu? Heute findet man derlei zwar auch noch, aber eine Kernqualifikation ist das schon lang nicht mehr. Wann haben Sie, geschätzter Leser, zuletzt das Gefühl gehabt, dass ein Mensch, dem sie in der Ausübung einer professionellen Tätigkeit beigewohnt haben, einen „richtig guten Job“ gemacht hat? Es gibt diese Momente, nach meinem Gefühl allerdings oft bei Angelegenheiten, denen man im Allgemeinen nachsagt, dass dafür sogenannte Minderqualifizierte eingesetzt werden. Und im Vergleich dazu, wie oft haben Sie schon die letzten Asis in Anzügen kennengelernt, bei denen man sich bei jedem Wort, das den steinigen Pfad aus den vernebelten Windungen eines Gehirns mit der Kapazität eines nassen Weißbrots durch den dümmlich aufgesperrten Mund und über die von Essensresten und Selbstbräuner lieblich umspielten Lippen überwunden hat, in den eigenen Mund übergibt (und sich wünschte, es wäre der des Gegenübers)?</p>
<p>Sei es Max Spastinger oder Tim Arschko, ein Nazi, ein Linker oder Hooligan, sei es der Producer irgendeines RTL-Machwerks oder ein Facebook-Troll. Ein Prediger, ein Bergheimer auf der Autobahn, ne Attention-Whore, ein Hipster oder jeder auf Instagram: Eure Emotionen kotzen mich an. Euer Geheule, Gehate, eure Liebe. Eure spirituellen Erkenntnisse, eure Facebook-Sprüche, euer Patriotismus. Lebt einfach und sprecht mit Freunden über eure Gefühle. Die neue Jeans ist kein #lifechangingmoment. Esst eure Quinoa-Kotze mit Beeren bitte allein und ohne Filter für den #perfectsunday. Liebes Fernsehen, lass bitte mal jemanden gewinnen, weil der oder die einfach nur gut in dem ist, was er oder sie tut. Und lass den mit der toten Katze einfach Zweiter werden. Musiker, singt mal wieder über Spaß oder so. Irgendwas bei dem mein Auto nicht von selbst nach rechts auf den Alleebaum zu lenkt.</p>
<p>Nach diesen Worten ziehe ich mich nunmehr wieder in mich zurück, analysiere die Welt um mich herum und nehme mir ein weiteres mal vor, mal regelmäßiger zu schreiben. Gleich nachdem ich diesen Howard Carpendale Ohrwurm losgeworden bin. Ich versuche mich in den Gemütszustands meines Freundes Malle zu versetzen, der vor Jahren nach der gemeinsamen Entdeckung eines grausigen und Vielbeinigen Untiers durch unsere verwegene Heldengruppe auf die angstvoll vorgebrachte Frage, was das wohl sei, achselzuckend und mit absoluter Endgültigkeit feststellte: „Wird schon irgendwas sein“.</p>
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