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	<title>Der Krö &#187; Fernsehen</title>
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	<description>Gedanken zur Schlechtigkeit von Mensch und Welt</description>
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		<title>„Wie sehr ist euer Arsch grad offen?“  – Ein garendes Bad in der Suggestivsuppe</title>
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		<pubDate>Mon, 04 Jun 2018 21:59:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[derkroe]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[Heute ist etwas Großartiges passiert. Sozusagen ein Kommunikations-Quantensprung. Ein fernes Blitzen einer strahlenden, verheißungsvollen, perfekten Welt fassbarer, ja wahrhaftiger Sprache. Diesen Hoffnungsschimmer verdanken wir nicht den Politikern, Autoren und Scheingebildeten. Nein – im Zentrum dieses Märchens steht ein Junge namens Paul. Doch ich greife vor. Um zu verstehen, welchem häßlichen Untier aus den Gossen dieser schönen Sprache sich Paul mit seinem Heldenmut entgegen geworfen hat, begeben wir uns in die Welt des Sports. Oder besser gesagt an dessen Rand. Buchstäblich. An den Spielfeldrand. Hier nämlich auf den heiligen Gründen zwischen...<a class="read-more" href="http://blog.derkroe.de/?p=97">read more</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Heute ist etwas Großartiges passiert. Sozusagen ein Kommunikations-Quantensprung. Ein fernes Blitzen einer strahlenden, verheißungsvollen, perfekten Welt fassbarer, ja wahrhaftiger Sprache. Diesen Hoffnungsschimmer verdanken wir nicht den Politikern, Autoren und Scheingebildeten. Nein – im Zentrum dieses Märchens steht ein Junge namens Paul.</p>
<p>Doch ich greife vor.</p>
<p>Um zu verstehen, welchem häßlichen Untier aus den Gossen dieser schönen Sprache sich Paul mit seinem Heldenmut entgegen geworfen hat, begeben wir uns in die Welt des Sports. Oder besser gesagt an dessen Rand.</p>
<p>Buchstäblich.</p>
<p>An den Spielfeldrand.</p>
<p>Hier nämlich auf den heiligen Gründen zwischen Flimmerbande und Luxusgrün, dort wo beinahe tödlich verwundete Millionäre binnen Sekunden unsichtbar klaffende Fleischwunden zu heilen vermögen, wo sich im sanften Gefälle – einst zur Entwässerung des teuren Grases angelegt – der warme Sommerregen mit Nasenrotz und Spucke Ferrari fahrender 19-Jähriger vermischt wie die Tränen des Fußballgottes selbst in Rinnsalen gen Tartanbahn schlängelt, dort leben sie.</p>
<p>Erschaffen von hemdsärmeligen Typen und in seltsame Farben gehüllte Frauen, am Leben gehalten, wenn auch in den dunklen Gängen von  sich dunkel dem Himmel entgegen dräuenden Betongerippen, wartend, sich auf die Tüchtigen und Schwitzenden zu werfen, deren fingerzählbaren IQ selbst mit kleinem Geschick an der Auslösung des rhetorischen Fluchtreflexes zu hindern und sich am verdatterten Worterbruch des Opfers zu laben.</p>
<p>Manch ein Trikotträger wehrte sich, focht stumm mit dem Ungetüm, starrte von Verwirrung und Trotz gezeichnet in die häßliche Fratze des Monsters, manch einer stieß gar das logobewehrte Schwert aus seinem Gesicht und trat den Rückzug an. Die meisten jedoch fielen. Fielen hart hinein in die Falle, die ihnen gestellt wurde:</p>
<p>Die Suggestivfrage.</p>
<p>Es lässt sich des Eindrucks kaum erwehren, dass dieses Stilmittel – vor Gericht übrigens meist nicht zugelassen – auf der zentralen Waldorfschule für Moderation und Sportredaktion entweder der einzige Unterrichtsinhalt war bevor nur noch die Fächer „Selbstverliebtheit“, „Simultan nachplappern, was man auf das Ohr bekommt“ und „12 Worte in 12 Minuten – wie man ein Showfinale spannend macht“ vorkamen oder aber es gab an dem Tag Gummibärchen vom Dozenten.</p>
<p>So oder so – der Teil ist hängen geblieben. Die Frage, ob sich jemand über einen Sieg freut ist ja auch verkalkt! „WIE SEHR freust du dich über den Sieg?“ – DAS ist doch die Frage. Und ob jemand sauer über den Fehler des Kollegen ist? Viel zu schwach! WIE SAUER ist er? Andernfalls wüsste der kickende Dimpel doch gar nicht, dass er überhaupt sauer ist.</p>
<p>Und weil die Schreihälse von der Seitenlinie im Fernsehen inzwischen die klaffende Lücke schließen müssen, die nach dem Sterben der Moderationsbrutstätte VIVA aufgerissen war, und sich folgerichtig jetzt schlicht überall tummeln wie die Ratten unter Berlin, haben sie das linguistische Krebsgeschwür auf alle Kanäle metastasiert.</p>
<p>WIE SEHR sich der Teilnehmer einer Hüpf- und Spring-Show im Privatfernsehen über den Sturz des Gegners gefreut habe? WIE SEHR die Trennung von X noch an Y nage? WIE VERLIEBT Y jetzt in Z sei? WIE GROSS war der Schmerz beim Sturz? Was soll man da sinnvolles antworten? Na eben das, was die die Patrick Stars der realen Welt (nur in reich und mit Ball am Fuß) halt auch durch den Schweiss- und Speichelsprühnebel nuscheln: „Total“, „Mega“, „Unfassbar“.</p>
<p>Im Alltag sind diese implikativen bzw. geschlossenen Suggestivfragen schlicht nicht praktikabel. Fragt doch mal den Kollegen morgens, WIE GUT es ihm heute geht oder WIE LANGSAM er heute gedenkt, sein Tagwerk zu verrichten. Während es bei einem der wenigen, leidlich zulässigen Frage dieser Art (14-Jährige fragt 14-Jährigen „Wie sehr liebst du mich?“) noch eine vorgeschriebene Antwort („Bis zum Mond und wieder zurück“) gibt, ist das ansonsten eher ein Gesprächskiller. Aber den eitlen Halbaffen mit den Sky-Hemden verzeihen wir es. Und die Moderatorentochter mit der Asi-Stimme darf ihre Scheisse auch bei RTL in den Äther seiern.</p>
<p>Was uns wieder zu Paul bringt, der es in seinem Leben nur zu Großem bringen kann. Im WDR 5 Kinderradio beantwortete Paul nämlich per Telefon ins Studio geschaltet Fragen des Moderators. Zunächst ging es um Musik und was sie bedeutet. Der Moderator lenkte das Thema auf WM-Songs um. Paul folgte souverän.</p>
<p>Da lässt der Moderator die Deckung fallen und befreit das Monster. Das wirft sich gierig, nicht ahnend, dass es sehenden Auges in sein Verderben, ja in die Belanglosigkeit zielt auf den 8-Jährigen. Es ist als würde die Sprache selbst den Atem anhalten, der Gefahr gewahr, in der Helden-Paul  schwebt. Es scheint, als halle das ferne Gackern der Moiren durchs Hintergrundrauschen und das wetzen rostigens Stahls am Lebensfaden von Pauls rhetorischer Souveränität singt hochfrequent darüber. In die Stille malt der Mund des Moderators die Wortfalle:</p>
<p>„WIE SEHR freust du dich denn auf die Weltmeisterschaft?“</p>
<p>Paul: „Ja.“</p>
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		<title>Eure Emotionen kotzen mich an – die Devolution des guten Deutschen</title>
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		<pubDate>Wed, 26 Apr 2017 22:03:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[derkroe]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich höre inzwischen WDR 4 im Radio. Da laufen Lieder aus Zeiten, wo ich noch nicht geboren war. Und Schlager. Oft solche aus derselben Zeit. Was „jüngere“ Sender einem da als Musik verkaufen wollen, ist aber auch wirklich nicht zu ertragen. Und damit meine ich ausnahmsweise mal nicht die holzblöden Ami-Importe, die mit drei Akkorden, Bum-Bum-Blödsinn und Texten daherkommen, als seien sie aus abgehörten Telefonaten Donald Trumps zusammengesetzt worden. Ich rede von der Flutwelle sogenannter Singer/Songwriter, die sich ihre Songs writen lassen und in Interviews gern zugeben, keine besonders tollen...<a class="read-more" href="http://blog.derkroe.de/?p=89">read more</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Ich höre inzwischen WDR 4 im Radio. Da laufen Lieder aus Zeiten, wo ich noch nicht geboren war. Und Schlager. Oft solche aus derselben Zeit. Was „jüngere“ Sender einem da als Musik verkaufen wollen, ist aber auch wirklich nicht zu ertragen. Und damit meine ich ausnahmsweise mal nicht die holzblöden Ami-Importe, die mit drei Akkorden, Bum-Bum-Blödsinn und Texten daherkommen, als seien sie aus abgehörten Telefonaten Donald Trumps zusammengesetzt worden. Ich rede von der Flutwelle sogenannter Singer/Songwriter, die sich ihre Songs writen lassen und in Interviews gern zugeben, keine besonders tollen Sänger zu sein. Es gehe da um Emotionen, schwafelt der eine, der andere hätte gern öfter Liebeskummer, weil er dann die Emotionen besser in seine Songs einfließen lassen könne.</p>
<p>Pubertierendes Oral-Ejakulat von Typen über 30, die wahrscheinlich beim Wichsen um die vertane Chance auf Kinderglück losheulen. Und die Musik ist ja nur die Spitze des Eisbergs. Beim Fernsehen wird das Ganze nicht nur verbal, sondern auch optisch verwurstet. Deutsche TV-Produzenten haben wohl irgendwann in „TV Production for Dummies“ gelesen, dass der dumme Zuschauer den Wert einer Sendung nur anerkennen kann, wenn er mindestens zweimal geweint, sich geekelt, Hass empfunden hat und ein bisschen geil wurde. Und dann bring das mal bei einer Familienshow. Top Beispiel ist DSDS, das schon früh erkannte, dass Bloßstellung viel besser läuft als gute Sänger. Und wenn man die Recalls nach Dubai verlegt, laufen die Dummfotzen sogar freiwillig im Bikini durchs Bild – 50% der Arbeit der Realisatoren erledigt sich also von selbst. Das muss man vielleicht mal erklären: Bei solchen Produktionen sind immer Realisatoren mit Kamerateams unterwegs. Sie bereiten Heidis Stöcke vor bis die Heidi kommt und sagt, dass die Haare ab müssen. Sie sagen Tschastin, dem Singer/Songwriter, er könnte doch die Mandy mal in den Pool schubsen, obwohl die als nächste dran ist, Onkel Dieter ihre für eine 17-Jährige viel zu großen Hupen vor die schrumpligen Tränensäcke zu halten. Sie sagen Carmen, wann sie Rooobert mal rufen soll, drehen Vorstell-MAZen, die trendige Sportler zu tief traurigen Individuen machen (Katze ist vor 12 Jahren gestorben – R.I.P. Rocky! *KreuzzeichenfalschrumpluswinkenindenHimmel*) und sie machen Stimmung am Set.  Keiner will sehen, wie normale Leute sich normal verhalten. Das deprimiert uns. Die Fernseh-Viecher sollen aufgedreht sein, traurig sein, „für etwas brennen“ oder abgrundtief hassen.</p>
<p>Da hat sich ganz schön was geändert im Land der Beherrschten. Wir Dichter und Denker, wir akribischen Arbeiter, wir. Vor ein paar Jahren noch, als in Paris mal wieder die Banlieus brannten, sagte ein Kumpel zu mir, sowas könnte in Deutschland gar nicht passieren – der Deutsche mache seinem Unmut in der Kneipe Luft oder wählt beim nächsten mal „zur Strafe“ für die CDU die SPD. Oder wenn’s ganz hart wird sogar die Grünen. Was ist heute? Pegida-Aufmärsche, Massenproteste und was im Internet vor sich geht, mag man ja kaum mehr verfolgen. Was ist passiert, dass so viele Deutsche inzwischen emotionssüchtig sind? Warum muss man für den BVB so „brennen“, dass man die Gegenwart eines Schalkers körperlich nicht aushält? Warum trifft die Anwesenheit eines Syrers manch einen so, dass er ihn ermorden oder in den sicheren Tod nach Syrien zurück schicken will? Warum müssen alle bei Let’s Dance heulen, obwohl es so viel zu lachen gibt? Warum sagt die Frau in der Kochshow, dass sie ihr Gericht „für meinen Dad“ gemacht hat, der vor 40 Jahren gestorben ist? Und warum schickt der Juror die Alte mit der Nudelsuppe dann eine Runde weiter?</p>
<p>In der Welt war Deutschland, oder besser gesagt, waren die Deutschen für ihr Wesen schon immer gleichsam belächelt und geschätzt. Die sehr präzisen, exakten und etwas humorlosen Leutchen aus dem Wirtschaftswunderland, die den ganzen Tag Bier trinken und Probleme mit Lösungen bekämpfen. Habe neulich gelernt, dass eine Art chinesischer TÜV Produkte des heimischen Markts nach Deutschland zur Prüfung in ein Labor schickt. Wir sind berühmt dafür, wirklich sehr gut in dem zu sein, was wir tun. Aber trifft das zu? Heute findet man derlei zwar auch noch, aber eine Kernqualifikation ist das schon lang nicht mehr. Wann haben Sie, geschätzter Leser, zuletzt das Gefühl gehabt, dass ein Mensch, dem sie in der Ausübung einer professionellen Tätigkeit beigewohnt haben, einen „richtig guten Job“ gemacht hat? Es gibt diese Momente, nach meinem Gefühl allerdings oft bei Angelegenheiten, denen man im Allgemeinen nachsagt, dass dafür sogenannte Minderqualifizierte eingesetzt werden. Und im Vergleich dazu, wie oft haben Sie schon die letzten Asis in Anzügen kennengelernt, bei denen man sich bei jedem Wort, das den steinigen Pfad aus den vernebelten Windungen eines Gehirns mit der Kapazität eines nassen Weißbrots durch den dümmlich aufgesperrten Mund und über die von Essensresten und Selbstbräuner lieblich umspielten Lippen überwunden hat, in den eigenen Mund übergibt (und sich wünschte, es wäre der des Gegenübers)?</p>
<p>Sei es Max Spastinger oder Tim Arschko, ein Nazi, ein Linker oder Hooligan, sei es der Producer irgendeines RTL-Machwerks oder ein Facebook-Troll. Ein Prediger, ein Bergheimer auf der Autobahn, ne Attention-Whore, ein Hipster oder jeder auf Instagram: Eure Emotionen kotzen mich an. Euer Geheule, Gehate, eure Liebe. Eure spirituellen Erkenntnisse, eure Facebook-Sprüche, euer Patriotismus. Lebt einfach und sprecht mit Freunden über eure Gefühle. Die neue Jeans ist kein #lifechangingmoment. Esst eure Quinoa-Kotze mit Beeren bitte allein und ohne Filter für den #perfectsunday. Liebes Fernsehen, lass bitte mal jemanden gewinnen, weil der oder die einfach nur gut in dem ist, was er oder sie tut. Und lass den mit der toten Katze einfach Zweiter werden. Musiker, singt mal wieder über Spaß oder so. Irgendwas bei dem mein Auto nicht von selbst nach rechts auf den Alleebaum zu lenkt.</p>
<p>Nach diesen Worten ziehe ich mich nunmehr wieder in mich zurück, analysiere die Welt um mich herum und nehme mir ein weiteres mal vor, mal regelmäßiger zu schreiben. Gleich nachdem ich diesen Howard Carpendale Ohrwurm losgeworden bin. Ich versuche mich in den Gemütszustands meines Freundes Malle zu versetzen, der vor Jahren nach der gemeinsamen Entdeckung eines grausigen und Vielbeinigen Untiers durch unsere verwegene Heldengruppe auf die angstvoll vorgebrachte Frage, was das wohl sei, achselzuckend und mit absoluter Endgültigkeit feststellte: „Wird schon irgendwas sein“.</p>
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